Aufzucht

Aufzucht

Nun sind sie also da, die kleinen Würmchen, und halten die frisch gebackene Rattenmama gehörig auf Trab.
In den ersten Tagen ist es vollkommen normal, dass das Muttertier das Nest kaum verlässt. Viele Rättinnen entwickeln sich zu regelrechten Glucken, die sich nur wenige Male am Tag kurz davonschleichen, um sich zu erleichtern, einen Happen zu essen oder geschwind etwas zu trinken. Diese Gelegenheiten können jedoch perfekt für eine kleine Nestkontrolle genutzt werden, wobei wieder der Milchbauch und der Entwicklungsstand der Welpen kontrolliert werden. Auch hier gilt es, das kurze Entfernen der Mutter-Rättin aus dem Käfig und die anschließende Nestkontrolle mit etwas Positivem (z. B. einer ausgiebigen Kuschelrunde mit anschließendem Leckerli im Käfig) zu verbinden. Auf diese Weise entwickelt sich die tägliche Kontrolle der Welpen zu einem schönen und vor allem stressfreien Ereignis für beide Seiten.

Je älter die Welpen werden, desto mehr Zeit wird die Rättin außerhalb des Nestes an einem für die Welpen unzugänglichen Ort verbringen. Dies beginnt meist, sobald die Rasselbande mit dem Krabbeln anfängt, und die Mutter ohnehin ständig alle Hände voll zu tun hat, um ihre entdeckungsfreudigen Zwerge einzufangen und wieder ins liebevoll gemachte Nest zu befördern. Auch dieses Verhalten ist vollkommen normal, in regelmäßigen Abständen wird die Rättin in das Nest zurückkehren, um ihre Babys zu säugen.

Wichtig!!!
Während der Säugezeit benötigt die Rättin vermehrt Proteine für die Milchbildung, daher ist es wichtig, zu dem stets zur freien Verfügung stehenden Grundfutter eiweißhaltige Nahrungsmittel zuzufüttern. Joghurt, Ei, Käse oder auch selbst angerührter Brei wird gerne genommen und gewährleisten gute Aufzuchtbedingungen für Mutter und Babys.

Schon gewusst …?
Bei Stress, Kälte, Schmerz oder Hunger stoßen Rattenwelpen spezifische Ultraschalllaute aus. So weiß z.B. eine Rattenmutter auch dann, wenn sie sich außerhalb des Nestes aufhält, immer sofort, wann ihre Welpen Hunger haben.

Die Entwicklung der Welpen

Es ist immer wieder erstaunlich und faszinierend, wie schnell sich aus den kleinen rosa Würmchen nach der Geburt selbstständige kleine Ratten entwickeln.

Schon 1-3 Tage nach der Geburt sind die Rückenzeichnungen sichtbar, je nach späterer Farbe der Welpen mehr oder weniger deutlich. Da das Fell am Bauch erst später zu wachsen beginnt als am restlichen Körper, werden die Bauchzeichnungen erst mit 6-10 Tagen erkennbar.

Die ersten Härchen beginnen schon wenige Tage nach der Geburt zu sprießen, im Alter von 7-8 Tagen bedeckt ein feiner weicher Flaum den gesamten Körper (mit Ausnahme des Bauches). Mit zunehmendem Alter der Welpen wird auch das Fell länger, bis es schließlich zum typischen weichen Babyfell wird. Auch die Zähnchen beginnen langsam zu wachsen.

Ab einem Alter von 12-14 Tagen öffnen die Welpen in der Regel Augen und Ohren. Auch hier gibt es sowohl „Frühreife“, die schon mit 10 Tagen das erste Mal die Welt in Augenschein nehmen, als auch „Spätzünder“, die ihre Augen erst mit 15-16 Tagen öffnen. Beides ist kein Grund zur Beunruhigung, solange die Welpen sonst gesund sind.
Mit dem Öffnen von Augen und Ohren erschließt sich natürlich eine komplett neue Welt für die kleinen Rattenbabys, was sie zuvor nur durch andere Sinne wie Riechen wahrnehmen konnten, bekommt nun plötzlich „Gesichter“ und macht Geräusche. Die Zwerge werden nun sehr entdeckungsfreudig und neugierig, verlassen auch des Öfteren für kleine tapsige Spaziergänge das geschützte Nest und beginnen langsam, das von der Mutter im Nest deponierte Futter anzunagen. Selbst die Finger ihres Menschen sind vor den kleinen Knabberattacken nicht sicher. Nun kann auch langsam damit begonnen werden, die Welpen mit Brei zuzufüttern.

Im Alter von 3 Wochen sind aus den kleinen rosa Würmchen schon richtige kleine Rättchen geworden, die nur Schabernack im Kopf haben. Neben dem regelmäßigen Saugen an der Mutter wird nun auch Grundfutter geknabbert, die restliche Zeit mit Spielen, Klettern oder Schlafen verbracht.

Mit 4 Wochen sind die kleinen Rattenkinder noch mal ein ganz schönes Stück gewachsen und selbstständiger geworden, es wird nun nur noch recht selten an der Mutterrättin gesaugt, ansonsten sind die Kleinen von der Muttermilch unabhängig und auf feste Nahrung umgestellt. Auf keinen Fall sollten nun jedoch schon die Welpen von der Mutter getrennt werden, da diese Zeit enorm wichtig für die körperliche und geistige Entwicklung der kleinen Racker ist und auch große Auswirkungen auf ihre spätere Sozialverträglichkeit hat.


Geschlechtertrennung
Nun sind aus den winzigen Babys also schon richtige kleine Rättchen geworden … Und wie immer im Tierreich, kommt mit der Selbstständigkeit auch die Geschlechtsreife. Farbrattenjungs werden in der Regel ab einem Alter von 5 Wochen geschlechtsreif, die Rättinnen ab einem Alter von 6 Wochen, allerdings sind auch hier Fälle bekannt, in denen die jungen Damen mit 5 Wochen schon das erste Mal rattig wurden. Da Ausnahmen folglich immer die Regel bestätigen, sollten die Böckchen mit frühestens 4 ½, spätestens jedoch 5 Wochen von der Mutter und den weiblichen Geschwistern getrennt werden. In der Praxis hat sich eine Trennung im Alter von genau 5 Wochen (also 35 Tagen) als beste Variante erwiesen.

In den vergangenen 5 Wochen haben die kleinen Rättchen nun eine rasante Entwicklung durchgemacht und alles gelernt, was sie in ihrem hoffentlich langen Rattenleben brauchen. Nun ist es an der Zeit, neue Welten zu erforschen; sprich, in ihr neues Zuhause umzuziehen. Auf ein erfülltes, langes und gesundes Rattenleben, und viel Spaß und Freude mit ihren neuen Menschen!

(Text: TheJollyReaper)