Geburt

Die Geburt selbst findet oft in den frühen Morgenstunden statt, allerdings besteht auch dann kein Grund zur Sorge, wenn die Babys zu einer anderen Tageszeit das Licht der Welt erblicken.
Nur wenigen Leuten ist es vergönnt, eine Rattengeburt (die von 20 Minuten bis zu mehreren Stunden dauern kann) live mitzuerleben. Erste Anzeichen sind hierbei sichtbare Kontraktionen der Gebärmutter und häufiges Lecken der Genitalregion durch die Mutter. Zum Gebären selbst begibt sich die Rättin in eine Art Hockstellung, das durch das Pressen hinausbeförderte Baby wird dann von der Rättin mit den Vorderpfoten gefangen, von der Nabelschnur und den Eihäuten befreit und sorgfältig gesäubert. Kurze Zeit später wird die Plazenta geboren und in der Regel sofort gefressen, zu jedem Welpen gehört hier auch eine Plazenta.

Direkt nach der Geburt und der Abnabelung durch die Mutter haben die Babys in den ersten Lebensminuten eine fahle Hautfarbe und zeigen deutliche Schnappatmung mit offenem Mund. Dies ist kein Grund zur Sorge und vollkommen normal. Nach einigen Minuten (und gelegentlicher Stimulation des Kreislaufs durch das Putzverhalten der Mutter) normalisiert sich die Atmung, und die Welpen bekommen ihre typische rosa Farbe.

Nach der Geburt sind Mutter und Welpen erstmal ausgelaugt und brauchen Ruhe und Schlaf.

Sollte eine Rättin trotz deutlicher Kontraktionen über längere Zeit keine Welpen zur Welt bringen, so besteht die Möglichkeit, dass die Babys zu groß sind oder unglücklich feststecken. In solchen Fällen kann nur ein Kaiserschnitt helfen, welcher so schnell wie möglich durchgeführt werden muss, da sonst neben dem Leben der Welpen auch das der Mutter in allerhöchster Gefahr ist.
Ein Tierarztbesuch ist ebenso indiziert, wenn die Rättin deutlichen (blutigen) Ausfluss und keinerlei Anzeichen einer Geburt zeigt. Dies gilt auch, wenn die Geburt schon vorüber zu sein scheint, und die Rättin dennoch nach mehreren Stunden Ausfluss hat.

Ist die Geburt gut verlaufen und Mutter und Babys wohlauf, so ist es ratsam, bei einer günstigen Gelegenheit (z. B. einer Essenspause der Mutter) die Rättin kurz aus dem Käfig zu nehmen und vorsichtig ihren Bauch abzutasten, um auszuschließen, dass sich noch ungeborene Welpen im Mutterleib befinden.
Auch die Welpen selbst sollten kurz auf Milchbäuche kontrolliert und eventuelle tote Welpen aus dem Nest entfernt werden. Vor dem Anfassen der Welpen empfiehlt es sich, die Hände in der Einstreu zu „waschen“, damit das Muttertier nicht durch übermäßigen menschlichen Geruch gestresst wird.

Wie die Rättin nun auf Interaktionen mit „ihrem“ Menschen reagiert, hängt vom jeweiligen Charakter des Tieres ab. Im Idealfall sucht sie den Kontakt regelrecht und nimmt die tägliche Nestkontrolle als willkommene Abwechslung im mütterlichen Alltag. Im schlimmsten Fall reagiert sie auf jegliche Annäherungsversuche wie eine Furie und setzt gekonnt Krallen und Zähne ein, um den unerwünschten „Eindringling“ vom Nest zu vertreiben. Je nachdem, wie sich nun also das Verhalten der Rättin darlegt, muss die Nestkontrolle folglich unterschiedlich gestaltet werden.
Als hilfreich hat sich hierbei stets daran gekoppelte Belohnung erwiesen, die für Mama Ratte unwiderstehlich ist und sonst nicht vergeben wird. Dies hilft, das „Übel“ der Kontrolle mit etwas Positivem zu verknüpfen und senkt deutlich den verursachten Stress.

Wichtig!!!
In den ersten 24 Stunden direkt nach der Geburt setzt bei Rättinnen der so genannte postpartum oestrus ein. Während dieser Zeit kann die Rättin sofort wieder von einem Bock gedeckt werden, daher ist es absolut unabdingbar, selbigen von ihr fernzuhalten! Oft kam es vor, dass man „nur mal Babys“ haben wollte, nicht rechtzeitig vor der Geburt trennte und letztendlich 2 Würfe bekam. Daher dies unbedingt im Hinterkopf behalten!

Mögliche Komplikationen nach der Geburt
In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass eine Rättin ihre Welpen verstößt, also nicht säugt und sich nicht um sie kümmert. Manchmal kann da das sogenannte „Zwangsdeckeln“ helfen: Dazu wird das Muttertier zusammen mit den Welpen in einen kleinen Behälter (z. B. eine Transportbox) gesteckt, sodass sie den Babys nicht ausweichen kann und sie so säugen muss. Diese Methode kann helfen, kann aber auch für die Welpen tödlich ausgehen, wenn sich die Rättin durch die Welpen derart gestresst fühlt, dass sie sie tötet.
Kümmert sich die Rättin trotz „Zwangsdeckeln“ nicht um ihre Welpen oder traut man sich an diese Methode nicht heran, so hilft nur die Suche nach einer Amme. Die Chancen, einen Wurf frisch geborener Rattenbabys mit der Hand aufzuziehen sind leider sehr gering, sodass eine Amme oft die einzige Möglichkeit darstellt, das Überleben des Wurfes zu sichern. Wichtig hierbei ist, dass die Welpen der Amme gleich alt sind und mit ihrem Streu abgerieben werden, bevor man sie zu ihren Welpen ins Nest legt.

(Text: TheJollyReaper)