Trächtigkeit

trächtiges Weibchen

trächtiges Weibchen

Die Trächtigkeit bei Farbratten dauert zwischen 21 und 24 Tage. Nach Ablauf dieser Frist ist es ratsam, die Rättin einem Tierarzt vorzustellen, da jeder weitere Tag natürlich ein weiteres Wachstum der Welpen bedeutet und somit das Risiko einer Schwergeburt mit indiziertem Kaiserschnitt drastisch erhöht. Eine Ausnahme bilden hier Rättinnen, die direkt nach der Geburt wieder gedeckt wurden und parallel schon einen Wurf versorgen, hier verzögert sich laktationsbedingt (sprich, durch das Säugen) die Implantation (also die Einnistung) der befruchteten Eizellen, wodurch sich die Trächtigkeit um bis zu 10 Tage verlängern kann.

Nach einem erfolgreichen Deckakt wird der Körper der Rättin schon bald anfangen, sich zu verändern, dies bleibt vom Menschen jedoch oft zunächst unbemerkt. Die ersten sichtbaren Anzeichen einer Trächtigkeit sind eine stetige Gewichtszunahme und mögliche Verhaltensänderungen. So werden manche werdenden Mütter zu regelrechten „Streithammeln“, während andere noch liebebedürftiger als sonst werden. Andere wiederum sind genau wie immer und lassen sich bis eine Woche vor der Geburt kaum etwas anmerken.

Ca. eine Woche vor dem Geburtstermin beginnen viele Rättinnen damit, wie ein Hefeteig auseinander zugehen. Schon bald ist der große runde Bauch deutlich sichtbar, der wenige Tage vor der Geburt eine typische Birnenform annimmt. Die Welpen sind nun von geübter Hand tastbar, mit etwas Geduld lassen sich die Bewegungen der Welpen bei ausgiebigen Schmuseeinheiten mit der Mutter spüren.

Kurz vor der Geburt werden die werdenden Mamis in der Regel träge und schnell müde, manche bauen jetzt schon festungsartige Nester, andere zeigen bis zur Geburt selbst oder sogar bis kurz danach kein Nestbauverhalten. Dies ist jedoch kein Grund zur Sorge und ist vollkommen normal. Auch Verhaltensänderungen, wie beispielsweise hochgradiges territoriales Verhalten, sind vollkommen natürlich und kein Grund zur Sorge.
Viele Rattenmütter mögen es nun nicht mehr aus dem Käfig genommen zu werden und tun ihren Unmut mit unmissverständlichem Quietschen kund. Vorsichtiges Anheben mit beiden Händen unter der Ratte kann da Abhilfe schaffen. Generell ist für die werdende Mutter nun jedoch Ruhe angesagt.

Die große Frage, die sich nun stellt, ist: Soll die Mutter vom restlichen Rudel getrennt werden, oder nicht?
Ich persönlich trenne die werdenden Mütter vom Rudel, dies hat verschiedene Gründe. Einmal haben die Damen mit ihrer anstehenden Kinderschar ohnehin genug um die Ohren, auch ohne, dass alle Tanten hundertmal am Tag durch das frisch gemachte Nest latschen und die gerade sorgsam in den Schlaf gewiegten Zwerge wieder aufwecken. Zum Zweiten existiert bei Rattenwelpen kein genereller Welpenschutz (!), das heißt, dass andere Rättinnen Welpen potenziell tot beißen könn(t)en. Zum Dritten empfiehlt sich in den ersten Wochen der Welpenaufzucht ein flacher Käfig ohne Etagen, da sich erfahrungsgemäß a) die Mütter ohnehin kaum vom Nest runter bewegen und b) man so das Risiko von Etagen herunterfallender Welpen umgeht und auch keine einzelnen Babys im Käfig verteilt werden können, die möglicherweise von der Mutter unentdeckt erfrieren oder verhungern.

Wie das jedoch nun gehandhabt wird, muss jeder selbst in seinem Fall entscheiden.

Wichtig!!!
Während der Dauer der Trächtigkeit der werdenden Mutter bitte keine erhöhte Eiweißzufuhr zukommen lassen! Dies kann ein abnormes Wachstum der Welpen begünstigen und somit zu Schwergeburten führen. Ein gut ausgewogenes Rattenfutter (ad libitum/zur freien Verfügung) ist daher voll und ganz ausreichend und enthält alle von der Mutter und den heranwachsenden Welpen benötigten Inhaltsstoffe.

Hilfe, ich habe mehr als ein trächtiges Weibchen!
Nun, was tun, wenn das „Schicksal“ nicht einmal, sondern gleich zweimal zugeschlagen hat?
Was tun, wenn statt einer nun also zwei Rättinnen auf die Niederkunft warten? Nun, das hängt ganz davon ab, ob beide Rättinnen in ihrer Trächtigkeit in etwa gleich weit sind bzw. ob die Geburtstermine weiter auseinander liegen. In ersterem Fall ist es an und für sich kein Problem beide Damen vom Rest der Gruppe zu separieren, ansonsten jedoch zusammen zu lassen. Der Vorteil bei dieser Methode ist, dass die Mütter sich nach der Geburt gegenseitig entlasten können, und so der Stresspegel der frisch gebackenen Rattenmamis ganz erheblich sinkt.
Liegen die voraussichtlichen Geburtstermine weiter auseinander, so ist es oft sinnvoll, die werdenden Mütter auch voneinander zu trennen. Grund hierfür ist der unterschiedliche Entwicklungsstand der Welpen. Kommen nun z.B. die Babys der zweiten Rättin 5 Tage nach denen der ersten auf die Welt, so kann es passieren, dass die (größeren und stärkeren) Erstgeborenen die (kleineren) Neugeborenen von der „Milchbar“ weg drängen. Dies wiederum kann zu einer massiven Unterversorgung des zweiten Wurfes und letzten Endes sogar zum Tod einiger Welpen führen. Auch kann es in vereinzelten Fällen vorkommen, dass die Mütter selbst die kleineren und schwächeren Welpen aussortieren, um so instinktiv bessere Bedingungen für die stärkeren Welpen zu schaffen und eine optimale Aufzucht derselben zu gewährleisten.

Meine Mutterrättin ist wieder trächtig, was soll ich tun!
Wird eine Rättin direkt nach der Geburt im sogenannten postpartum oestrus wieder gedeckt, so steht bald wieder Nachwuchs an. Was gibt es nun zu beachten?
Durch das Säugen des ersten Wurfes wird das Einnisten der befruchteten Eizellen nach dem erneuten Deckakt verzögert, dies ist ganz wichtig, wenn es um die Errechnung des Geburtstermins für den zweiten Wurf geht! So kann es durchaus vorkommen, dass die Trächtigkeit um 5-10 Tage verlängert wird, was dem ersten Wurf gleichzeitig die Möglichkeit gibt, sich soweit zu entwickeln, dass sie bei der Geburt des nächsten Wurfes schon weitestgehend selbstständig essen können. Darüber hinaus gewährleistet die verlängerte Trächtigkeitsdauer eine ausreichende Versorgung der ungeborenen Welpen, da der Mutter durch das Säugen des ersten Wurfes weniger Reserven zur Verfügung stehen, als es ohne die vorhandenen Babys der Fall gewesen wäre.
Kommt nun also der zweite Wurf zur Welt, sind die Welpen des ersten Wurfes in der Regel so weit entwickelt, dass sie problemlos mit der neuen Situation zurechtkommen können. Hier bietet es sich an, die Kleinen zusätzlich zum regulären Futter mit hochwertigem Brei zuzufüttern, um sie (und die Mutter) zu päppeln und ihnen zusätzlich Energie zuzuführen.
In der Regel ist das Zusammenleben beider Welpengenerationen im selben Käfig problemlos, die Mutter wird sich nun verstärkt um den neuen Wurf kümmern, die älteren Welpen sind selbstständig genug, um sich größtenteils selbst zu versorgen. So ist es normalerweise nicht notwendig, die erstgeborenen Welpen verfrüht aus dieser Gemeinschaft zu trennen, zumal der Sozialkontakt zur Mutter prägend und unerlässlich für die spätere Sozialkompetenz der kleinen Racker ist. Sollte allerdings die Rättin stark gestresst und überfordert erscheinen, sodass das Leben einzelner Welpen gefährdet ist, gilt es zu überlegen, ob ein Trennen der älteren Welpen von der Mutter möglicherweise die besser Alternative darstellt. Ideal ist in einem solchen Fall eine Vergesellschaftung der Jungratten mit einer älteren Gruppe (z. B. andere Jungtiere bis zu einem Alter von 12 Wochen), deren Individuen dann am Benehmen der kleinen Rabauken feilen können.

(Text: TheJollyReaper)