Abschied nehmen

Die Einschläferung/Euthanasie eines geliebten Tieres gehört immer zu den schwersten Schritten, die ein Halter zu entscheiden hat.
Man kann leider keine Anleitung geben oder feste Fixpunkte nennen, wann es Zeit für diesen Schritt ist, daher ist die Absprache mit dem eigenen Tierarzt die beste Methode, um eine Entscheidung zu fällen.
Aber Achtung: Viele Tierärzte nennen leider noch als Orientierungspunkte „wenn das Tier nicht mehr frisst“ oder „der Tumor platzt“. Das ist kein Maßstab!
Ratten können Leid und Schmerz sehr gut verbergen, ihre Schmerzgrenze ist sehr hoch. Wenn sie nicht mehr fressen, ist das Leid meist schon groß, bis ein Tumor platzt, verursacht er große Schmerzen, schon alleine durch die angespannte Haut darüber.

Der letzte Weg
Der letzte Weg ist immer der schwerste für den Tierhalter. Aber wie gestaltet man ihn auch für das Tier am schönsten?
Erst einmal ist es wichtig, auch wenn einen der kommende Verlust natürlich schmerzt, Ruhe zu bewahren und so viel Routine wie möglich in den Ablauf zu bringen. Die eigene Nervosität und der eigene Schmerz übertragen sich sonst auf das Tier, dem es eh schon schlecht geht.
Gut ist es, wenn man einen festen Termin hat, das erspar Tier und Halter eine lange Wartezeit. Für den Notfall sollte man auch einen Tierarzt haben, der einen dann dazwischen nimmt. Für den Weg und eine evtl. Wartezeit kann man seinem kleinen Liebling noch einige Leckerlies mit in die Transportbox tun (vorausgesetzt, dieser kann noch selbstständig fressen).
Einige Rattenbesitzer nehmen auch rattige Gesellschaft mit auf den Weg. Zwei ruhige Ratten sind dabei die beste Begleitung. So erreicht man für die Tiere einen eher gewohnten Zustand, und auch auf dem Weg nach Hause sind die Ratten nicht ganz allein.
Und zu guter Letzt stellt sich die Frage: „Wen nehme ich für mich mit?“
Es ist keine Schande einen guten Freund oder eine gute Freundin zu bitten, dass sie einen begleitet. Ein geliebtes Tier und Familienmitglied zu verlieren ist für jeden eine Extremsituation, vor allem, wenn diese evtl. sogar zum ersten Mal eintritt.
Gerade wenn ihr ein längeres Stück zum Tierarzt fahren müsst, ist es in dieser emotional angespannten Situation günstig, jemanden als Begleitung dabei zu haben, der einen vielleicht sogar fahren kann.

Manche Tierärzte haben auch den Service, dass sie zur Einschläferung einen Hausbesuch anbieten. Dieser kostet zwar etwas mehr, aber für viele Besitzer und Tiere ist es eine angenehme und gewünschte Alternative im Vergleich zum normalen Besuch der Praxis in diesem angespannten Moment.

Welche Mittel gibt es?
Zum Einschläfern gibt es verschiedene Mittel, allerdings hat nicht jeder Tierarzt alle vor Ort.
– T61:
Es ist das gängigste Einschläferungsmittel. Dieses ist eine Mischung aus verschiedenen Wirkstoffen (Embutramid, Mebezoniumiodid, Tetracain). Leider ist es so, dass die Atemlähmung manchmal vor der Narkose und dem Herzstillstand eintritt. Daher ist es mittlerweile so, dass man T61 nur bei schlafenden (vornarkotisierten) Tieren einsetzen darf!
Ansonsten sind es für das Tier unschöne letzte Minuten, und auch mancher Besitzer war schon über diese extrem schockiert.
Daher hat man bei diesem Medikament mehrere Schritte: Die Tierärzte spritzen erst einmal ein Mittel zum Schlafen legen. Wenn das Tier richtig tief schläft, dann wird das T61 verabreicht. Dieses kann je nach Fähigkeiten des Arztes direkt ins Herz, eines der größeren Blutgefäße oder die Lunge gespritzt werden. Der Tod tritt dann kurz darauf ein.

– Eutha 77:
Der Wirkstoff Pentobarbital wird auch zum Narkotisieren von Tieren genutzt.
Als Injektionsorte sind größere Gefäße, das Herz und der Bauchraum geeignet.
Injiziert man Eutha 77 in den Blutkreislauf, tritt der Tod sehr schnell und schmerzlos ein. Bei Injektionen in den Bauchraum dauert es einen kleinen Moment länger. Aber auch dabei wirken die Tiere immer sehr ruhig.
Für Besitzer ist es oft ein Schock, dass die Tiere so kurz nach der Spritze bereits tot sind. Möchte man sein Tier bei der Einschläferung also auf dem Arm haben, sollte man das bereits, wenn die Spritze gesetzt wird.
Da Eutha 77 mit seinem Wirkstoff Pentobarbital unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, gelten strenge Auflagen, die viel Papierkram mit sich bringen. Deshalb scheuen leider einige Tierärzte diesen Aufwand.

– Narcoren:
Ist ebenfalls der Wirkstoff Pentobarbital und hat die gleichen Vor- und Nachteile wie oben angegeben!

Was geschieht bei der Einschläferung?
Je nach Mittel gibt es unterschiedliche Wirkstoffe (s.o.), aber der Ablauf ist bei einer Einschläferung immer der gleiche:
Das Tier fällt in Tiefschlaf (so wie es auch bei einer Narkose geschieht), daraufhin tritt dann eine Lähmung der Atem- und Herzmuskulatur ein. Diese Lähmung endet dann im Herzstillstand und somit dem Tod des Tieres.

Auf welche Reaktionen meiner Ratte muss ich mich einstellen?
Zuerst einmal ist natürlich die Einschläferung mit einer Spritze verbunden, was für die meisten Tiere auch im geschwächten Zustand unangenehm ist. Manche Ratten fiepen, sie beißen oder strampeln in diesem Moment. Es kann auch vorkommen, dass nach dem Stich ein wenig Blut aus dem Stichkanal kommt.
Wenn das Einschläferungsmittel dann verabreicht wurde (bei Eutha 77 und Narcoren also gleich nach der ersten Spritze) geht es meist recht schnell, die Tiere werden sehr ruhig und atmen flacher. Dann setzen die Atmung und der Herzschlag ganz aus. Bei einigen Tieren ist es möglich zu sehen, wie sich die Pupille zur vollen Weite vergrößert. Meist nimmt einem der Tierarzt dann die Kleinen ab und hört zur Sicherheit noch einmal das Herz ab.
Bitte erschreckt euch nicht, wenn der Tierarzt euch bereits sagt, euer kleiner Schatz ist tot, dieser aber vielleicht noch zuckt. In den Nerven sind immer noch kleine elektrische Ladungen vorhanden, die diese Nervenzuckungen auslösen.
Auch kann es sein, dass nach dem Tod noch Urin (unter Umständen sogar Kot) abgesetzt wird, da die Muskulatur relaxiert. Das kann so weit gehen, dass sogar noch kurze Zeit danach Geräusche, die der Atmung ähneln, auftreten können, weil sich die Muskeln entspannen, und so die in der Lunge verbliebene Luft hinaus gedrückt wird.
Wenn ihr Zweifel haben solltet, ob euer Liebling wirklich tot ist, fragt euren Tierarzt einfach einmal, ob auch ihr das Herz abhören dürft, zur eigenen Beruhigung.

Was geschieht danach mit meiner Ratte?
Nach dem Tod des geliebten Wesens gibt es mehrere Möglichkeiten:
Man kann die Ratte mit nach Hause nehmen und sie im eigenen Garten begraben. Vielleicht hat man sogar ganz liebe Freunde, die sie in ihrem Garten begraben lassen, wenn man selbst nicht über einen solchen verfügt.
Aber auch hierfür gibt es Vorschriften, die man beachten muss!
Die verstorbenen Tiere dürfen nicht über 4 Kilo wiegen (bei einer Ratte zugegebener weise unwahrscheinlich), sie müssen tiefer als 50 cm beerdigt werden, und falls man sie in einer Box oder Ähnlichem bestattet, muss diese biologisch abbaubar sein.
Außerdem dürfen keine toten Tiere in Wasserschutzgebieten beerdigt werden!
Ist der eigene Garten nicht möglich, gibt es mittlerweile vielerorts Tierfriedhöfe, die gegen eine Gebühr sogar ein ganzes Begräbnis ausrichten.
Auch eine Einäscherung ist möglich. Dabei kann man sich für eine Einzeleinäscherung entscheiden oder für eine Sammeleinäscherung mit anderen Tieren.
Die Asche wird dann in eine Urne gefüllt, und man kann diese mit nach Hause nehmen oder auch bestatten lassen. Auch Andenken in Form von Tier-Asche-Anhänger sind möglich.
Kommt für Euch keine der genannten Optionen in Frage, besteht die Möglichkeit, die Ratte beim Tierarzt zu lassen. Die Leichname werden dann tiefgefroren und gesammelt, um ein- bis zweimal die Woche von der Tierkörperbeseitigungsanlage abgeholt zu werden.

Verfasserin: Sireena