Hausapotheke

Liebe Leser,

sicher wundert ihr euch, wieso ihr hier jetzt keine Liste mit Medikamenten findet. Natürlich gibt es auch einige Medikamente, die man für die Ratte zuhause haben kann. Aber wir haben mit Absicht darauf verzichtet, diese hier zu nennen.

Die Gründe sind vielfältig:
Ratten sind sehr gut darin Schmerzen zu verbergen und den eigenen Zustand zu verschleiern. Gerade Rattenanfänger haben daher oft Schwierigkeiten damit, Symptome richtig einzuschätzen. Vielleicht wirkt die Ratte leicht verschnupft, wegen eines Schnupfens macht man ja schließlich beim Menschen kein Aufhebens, bei einer Ratte hingegen kann es sein, dass sich gerade eine Lungenentzündung anbahnt, so etwas kann aber nur der Tierarzt sicher feststellen. Auch dass eine Ratte noch frisst und rumspringt sagt nichts bzw. nur wenig darüber aus, wie es ihr wirklich geht.

Daher wollen wir hier keine Ratschläge für Selbstmedikationen geben, die unter den falschen Umständen die Leiden des Tieres verlängern, verstärken oder die Ratte vielleicht sogar das Leben kosten können!

Bitte setzt auch keine Medikamente für Menschen bei Ratten ein. Ein Aspirin kann z.B. selbst bei großen Hunden tödliche Blutungen hervorrufen.
Auch Medikamente für andere Tierarten sollte nur euer Tierarzt der Ratte verschreiben, da man nicht einfach die Dosierungen von einer Spezies auf die nächste übernehmen kann.

Leider sehen wir immer wieder einen Trend dazu, dass Medikamente nicht immer beim eigentlichen Patienten aufgebraucht werden, sondern für „den Notfall“ aufgehoben werden. Nicht nur dass einige Medikamente nach dem Anbruch nur begrenzt haltbar sind, sie können nach dem Einsatz auch bakteriell belastet sein, und man trägt damit Krankheiten weiter anstatt zu helfen.

Vor allem Antibiotika sind kostbare Medikamente, die in letzter Zeit immer öfter durch unsachgemäßen Einsatz ihre Wirksamkeit einbüßen. Von daher sollte man sie nicht leichtfertig und vielleicht sogar unterdosiert einsetzen. Dies kann sonst zu Resistenzen führen, sodass bei schweren Erkrankungen leider auf einmal keine Wirksamkeit mehr eintritt. Die Verzögerung und das Auffinden eines wirksamen Antibiotikums kann in so einem Fall den Tod des Patienten zur Folge haben.

Oft wird auch gefragt, inwieweit man das Immunsystem der Ratten über die Zugabe von Vitaminen stärken kann. Hier sollte man beachten, dass auch Vitamine überdosiert werden (vor allem die fettlöslichen, die sich im Körper anlagern – wasserlösliche werden über die Nieren bzw. den Urin ausgeschieden) und dann schädigen können, siehe z.B. Hypervitaminose. Außerdem ist in ausgewogenen Trockenfutter-Mischungen ja schon das ganze Spektrum zugesetzt und sollte daher in ausreichender Menge vorhanden sein, selbst ohne die Gabe von Frischfutter.

Grundsätzlich möchten wir aber anmerken:
Medikamente sollten niemals über das Wasser gegeben werden (also den Wassernapf oder über die Tränke). So ist nicht gewährleistet, dass jeder Patient die für seine Genesung wichtige Dosis bekommt bzw. nicht ein Rudelmitglied am Ende eine viel zu hohe Dosis bekommt. Es wird aber leider noch oft von Tierärzten geraten. Im schlimmsten Fall stellen die Tiere aufgrund des Geschmacks aber sogar das Trinken ein.