Operationen

Sollte eine OP anstehen:

Der Tierarzt sollte rattenerfahren sein. Eine Bezeichnung „Kleintierspezialist“ oder das Wissen, dass ein Tierarzt super im Bereich Hunde und Katzen ist, sagt leider nicht viel über seine Kenntnisse bzgl. Ratten aus. Ratten sind immer noch primär Versuchstiere, weshalb die Veterinärmedizin hier noch ein eher grauer Bereich ist.

Die Narkose
Wichtig: Ratten sollten niemals nüchtern zu einer OP gehen. Sie haben einen sehr schnellen Stoffwechsel und brauchen deshalb bis kurz vor der OP Futter und Wasser. Da sie nicht erbrechen können, besteht auch keine Gefahr für sie.
Im Falle einer OP in nüchternem Zustand kann es zu Kreislaufproblemen kommen, und es ist möglich, dass die Ratte nicht mehr wach wird.
Sehr gut vertragen wird Inhalationsnarkose. Allerdings kann diese nicht jeder Tierarzt aus Kostengründen bieten. Aber rattenerfahrene Tierärzte sollten auch mit Injektionsnarkosen keine Probleme bei Ratten-OPs haben.

Nach der OP
Wie lange eine Ratte benötigt, um wach zu werden, hängt von der Narkoseart und der Ratte ab. Manche stecken es gut weg, andere brauchen sehr lange, um wach zu werden. Inhalationsnarkosen wirken allgemein aber recht kurz nach, die Ratten sind meist schnell wieder fit.
Bei Injektionsnarkosen sollte man die Ratten erst abholen, wenn sie schon wieder wach sind, damit der Tierarzt bei Problemen rechtzeitig eingreifen kann. Sollte der Patient dennoch nicht ganz wach sein, wenn man ihn mit nach Hause bekommt, sollte man ihn dort gut und regelmäßig kontrollieren, um im Notfall den Tierarzt aufzusuchen.

Auf dem Heimtransport sollte man die Ratte im Winter angenehm warmhalten, im Sommer aber (sofern vorhanden) die Klimaanlage im Auto nicht zu kühl einstellen, damit der Unterschied zu den Außentemperaturen nicht zu gravierend ist.

Unterbringung
Der Patient sollte in einem Krankenkäfig (flacher Meeri- oder Hamsterkäfig ohne Ebenen, wegen Verletzungsgefahr) untergebracht sein. Der Untergrund sollte sauber und staubfrei sein, damit keine Keime oder Dreck in die Wunde kommt – dazu bieten sich Zeitung, Tücher oder Zellstoff an. Der Käfig sollte auch täglich frisch gemacht werden. Die Ratte kann in der „Krankenzeit“ ruhig mit den Rudelkollegen Auslauf haben, sofern vom Halter darauf geachtet wird, dass keiner an die Fäden bzw. die Wunde geht.
Besuch im Käfig kann der Patient auch bekommen, dem steht nichts entgegen.
Innerhalb der ersten 24h kann eine Ratte an Unterkühlung sterben. Darum sollte man sie nach der OP warmhalten (aber nicht zu warm). Dazu bieten sich Wärmelampen, Heizkissen oder Wärmflaschen an.

Futter
Futter und Wasser sollten der Ratte zur Verfügung stehen. Wasser am Besten im Napf, damit sie, wenn sie noch nicht fit genug ist, die Nippeltränke zu nutzen, dennoch trinken kann.
Die ersten Stunden sollten sie nur Brei geboten bekommen als Futter, da der Schluckreflex anfangs noch eingeschränkt ist. Aufgrund des eingeschränkten Schluckreflexes bitte das Tier nicht zwangsfüttern, da es sonst ersticken könnte.
Trockenfutter sollten sie erst bekommen, wenn sie deutlich wach sind.

Nachsorge
Die Wunde sollte täglich kontrolliert werden.
Fall sich die Ratte die Nähte kurz nach der OP ziehen sollte, ist der Tierarzt sofort aufzusuchen.
Ist die OP schon einige Tage her, hängt der Tierarzt-Besuch davon ab, ob die Wunde bereits geschlossen ist oder noch blutet bzw. offen ist.
Es kann auch passieren, dass sich ein oder zwei Tage nach der OP an der Naht „Knubbel“ bilden.
Das ist Wundwasser, was in der Regel vom Körper resorbiert wird. Manchmal ist es allerdings soviel, dass der Tierarzt punktieren muss, um die Flüssigkeit absaugen zu können.
Bildet sich allerdings erst nach einer Woche oder auch etwas länger ein „Knubbel“, dann bitte umgehend den Tierarzt aufsuchen. Es kann sich dabei um eine Unverträglichkeit der selbstauflösenden Fäden handeln, wodurch ein Abszess entsteht.

Wenn die Wunde geschlossen ist, trocken, und gut aussieht, kann der Patient bedenkenlos wieder in seinen alten Käfig ziehen.