Schwangerschaft/Aufzucht

Cleos Welpen

Infos zu Schwangerschaft, Geburt und Aufzucht von Rattenwelpen

Vorwort

Farbratten erfreuen sich schon lange einer stetig wachsenden Beliebtheit. Vorbei sind die Zeiten, in denen Ratten als „Punker-Accessoire“ oder als Schockmittel für konservative Erwachsene galten, heutzutage finden sich Farbrattenhalter und –liebhaber in allen sozialen Schichten und in jeder Altersklasse. Ihre Intelligenz, ihr eigenwilliger Charakter, ihr hochsoziales Wesen und nicht zuletzt auch ihre große Vielfalt machen sie für viele Leute zu einem idealen Weggefährten.

Dieser Trend führt jedoch auch leider Gottes dazu, dass diese wunderbaren Tiere in Massen „produziert“ werden, um die große Nachfrage zu befriedigen. Im Gegensatz zu den leider wenigen seriösen Zuchten gibt es Unmengen an Leuten, die mit den populären Tieren das große Geld machen wollen, und den Markt mit zahllosen neuen Welpen überfluten. Vergessen gehen dabei oft die mehr gewollten und überproduzierten Ratten, die in Tierheimen und auf Pflegestellen sitzen und auf ein neues Zuhause warten.

Warum ich dies alles erzähle? Weil es trotz des ganzen Elends und des Überangebots an Ratten immer noch Leute gibt, die „mal Babys aufwachsen sehen“ wollen oder ihre Ratte für die schönste überhaupt halten und deshalb mal „Babys machen“, damit sie ihren Charakter hoffentlich weitervererbt.

Rattenzucht ist, sofern man es ernsthaft und seriös betreibt, ein sehr teures Hobby, welches außerdem enorm viel Zeit und Platz in Anspruch nimmt. Darüber hinaus bedeutet sie ein hohes Maß an Verantwortung gegenüber dem eigens geschaffenen Leben und setzt weitreichende fundierte Kenntnisse in puncto Genetik, Farb- und Zeichnungsvererbung, Qualzuchten, Risikoverpaarungen, spezifischer Krankheiten, Verhalten, Aufzucht und vielem mehr voraus, welche für eine gut durchdachte Zucht unabdingbar sind. Schnell kann außerdem ein Kaiserschnitt 200€ kosten, manchmal kommen vermittelte Ratten zurück oder Welpen werden nicht abgeholt. Was dann?

Dies ist ein Appell an all jene Leute, die mit dem Gedanken spielen „mal eben Babys zu machen“: Lasst es sein. Es gibt genug Notfallratten, die auf ein warmes Plätzchen warten, und es gibt genug Rattenwelpen, die nach neuen Menscheneltern suchen, jeder unüberlegte und nicht durchdachte Wurf mehr macht das Elend größer und verringert die Chance jeder einzelnen Nase auf ein neues Zuhause. Die wenigen seriösen Züchter in Deutschland wissen, was sie auf sich genommen haben, und werden alles erdenklich Mögliche tun, um wenigstens ihre eigenen gezüchteten Tiere aus den Notfalllisten draußen zu halten. Aber mehr Leute, die eben mal so Ratten in die Welt setzen, braucht es weiß Gott nicht.

So, nun, da ihr es soweit mit dem Lesen geschafft habt, meint ihr es entweder wirklich ernst oder aber das Kind ist bereits (in Form einer Zooladenschwangerschaft, eines „Unfalls“ oder einer Eselei) in den Brunnen gefallen. In jedem Falle hoffe ich, dass die folgenden Zeilen Euch bei allem, was nun kommen mag, weiterhelfen und ein wenig Licht ins Dunkel bringen mögen. Was Ihr hier jedoch nicht finden werdet, ist eine Deckanleitung oder ein Ratgeber „Wie plane ich erfolgreich meinen ersten Wurf“. Solltet Ihr dies hier suchen, dann habt Ihr leider Eure Zeit verschwendet und könnt Euch den Rest hiervon sparen.

Von Bienchen und Blümchen …

Nun endlich zum eigentlichen Ansinnen dieses Threads, der Vorbereitung auf rattigen Nachwuchs. Dazu erstmal die wichtigsten Fakten:

Rättinnen werden etwa alle 2-6 Tage rattig, die Wahrscheinlichkeit auf einen ungewollten Wurf ist folglich bei Aktionen wie „Ich lasse Bock und Rättin zusammen laufen und passe schon auf, dass nichts passiert“ ziemlich hoch. Das ist auch einer der Gründe, warum generell von solchen und ähnlichen Aktionen abzuraten ist und, sollte man unbedingt Böcke und Rättinnen im gleichen Haushalt halten müssen, getrennter Freilauf und gut gesicherte Käfige (und evtl. getrennte Räume) absolut unabdingbar sind. Während der Rattigkeit erscheint die Vulva der Rättin leicht geöffnet und kleine Venen sind erkennbar. Auch wenn es normalerweise gleich weggeputzt wird, können in dieser Phase auch winzige Blutstropfen (z. B. im Streu) sichtbar sein. Sollte dies jedoch längere Zeit auftreten oder in größeren Mengen vorkommen, ist auf jeden Fall ein rattenerfahrener Tierarzt zurate zu ziehen.

Der Deckakt selbst dauert nur wenige Sekunden (und kann daher durch keine noch so schnelle Reaktion eines Menschen verhindert werden) und wird, sofern es beiden Tieren möglich ist, über mehrere Stunden unzählige Male wiederholt. War der Deckakt erfolgreich, kann man am nächsten Tag unter Umständen einen so genannten „Vaginalpfropf“ erkennen, dieser setzt sich aus den Sekreten der akzessorischen Geschlechtsdrüsen beider Tiere zusammen und „versiegelt“ gewissermaßen die Vagina.

Rättinnen werden mit ca. 5-6 Wochen geschlechtsreif und können bis ins hohe Alter trächtig werden. Zwar ist auch bei Ratten eine Menopause beschrieben, allerdings variiert das Einsetzen derselben dermaßen, dass kein verlässliches Alter gegeben werden kann, und somit auch alte Tiere unter keinen Umständen mit unkastrierten Böcken in Kontakt kommen dürfen! Ist eine ältere Rättin (aus welchen Gründen auch immer) dennoch gedeckt worden, so bedarf sie auf jeden Fall einer sorgfältigen tierärztlichen Betreuung, da ein Wurf in hohem Alter ein großes Risiko darstellt und im schlimmsten Falle mit dem Tod enden kann.

Rattenböcke werden ebenfalls mit ca. 5-6 Wochen geschlechtsreif und können, sofern es ihr gesundheitlicher Zustand zulässt, bis ins hohe Alter decken und erfolgreich Junge zeugen.

Nachtrag: Die Wurfgröße beträgt durchschnittlich 8 – 14 Welpen.

(Text: TheJollyReaper)