Beißen/Zwicken

Wenn Ratten beißen… die Facetten von Problemtieren

Generell gilt: Blutet es, sind es Bisse; tut es „nur“ weh, ist es Zwicken.

Beißen sich Ratten untereineinander (die zusammen leben), sieht die Situation meist so aus, dass entweder einer der Prügelknabe für die anderen ist oder aber einer an andere austeilt.

In diesem Fall kann es sein, dass man „mal“ die Situation falsch deutet. Gerade bei Böcken sehen Raufereien oft schlimmer aus als sie sind. Es gehört bis zu einem gewissen Maß einfach zum Rudelleben – es ist nicht immer alles rosa-rot 🙂 Eingreifen muss man, wenn die Wunden heftig sind und/oder sich die Situation nicht zu entspannen scheint, der Angegriffene sich nicht mehr frei bewegt, etc.

Weitere Gründe können Stress oder auch eine falsche Integration sein.
Stress kann verursacht werden durch einen zu kleinen Käfig, zu wenig Versteckmöglichkeiten/ Unterschlupfe für alle Rudelmitglieder, Lärm, neue Ratten im selben Zimmer, etc.)

Wenn die Ratte den Menschen beißt/zwickt:
Ratten zwicken im Auslauf z.B. gerne in die Zehen, was u.U. eine banale Spielaufforderung sein kann oder aber einfach das Austesten der Grenzen. Hier kann man den „Täter“ dann schnappen, „wuscheln“ oder einfach das Spiel mit spielen. Testete er Grenzen, wird er das so schnell nicht mehr tun – wollte er spielen, hat er, was er wollte 🙂
Andere Situationen, die dem Menschen einen Zwicker einbringen können, sind z.B. wenn man Finger durch den Käfig steckt, und die Tiere mit Futter rechnen (gerade, wenn man sie sonst gerne durch das Käfiggitter füttert) oder wenn Mensch ein Pflaster am Finger hat, was die rattige Neugier reizt.

Manche Ratten nutzen Zwicken aber auch als Abwehrmaßnahme. Nimmt man z.B. ein Tier, das nicht will, kann es sein, dass es zwickt. Und wenn der Halter dann das Tier los lässt, also nachgibt, lernt die Ratte schnell „ich zwicke, also habe ich meine Ruhe“. Hier sollte man als Halter direkt entgegenwirken, nicht dem Reflex nachgeben die Ratte wieder abzusetzen und damit klar zu stellen, wer „das Sagen“ hat.

Werden menschliche Körperteile liebevoll beknabbert, ist das eine Form des am Menschen ausgelebten Sozialverhaltens, ähnlich dem sich gegenseitigen Putzen im Rudel.

(Blutige) Bisse:
„Beißer“ bzw. Tiere, die aus Spaß beißen, gibt es nicht. Beißt eine Ratte, hat es seine Gründe. Tiere, die sich gerade dem Menschen gegenüber gar nicht mehr einkriegen, haben meist eine entsprechende Vorgeschichte.

Man muss unterscheiden zwischen Angstbeißern und Revier-/Käfigbeißern. Beides sollte man in den Griff zu kriegen versuchen, da es für Mensch und Tier Stress bedeutet sich/seinen Käfig ständig verteidigen zu müssen zu glauben bzw. gebissen zu werden. Ganz zu schweigen vom gesundheitlichen Risiko für den Menschen (Entzündungen, etc.).

Revier-/Käfigbeißer sind außerhalb ihres Reviers/Käfigs in der Regel lieb und umgänglich, verteidigen im Revier aber ihr Territorium gegen den Menschen.
Diesen Tieren muss man mit Souveränität und einer gewissen Dominanz begegnen. Ratten spüren, wenn man ihnen vermitteln zu versucht, dass man der Boss ist, aber im Grunde Angst hat oder nicht sicher ist bei dem was man tut. Man kann sie bändigen, indem man sie erzieht. Da gibt es unterschiedliche Maßnahmen, die bei jedem Tier unterschiedlich effektiv sind. Manche, die ankommen um zu beißen kann man mit einem Stupser auf die Nase bremsen, andere durch anpusten, wieder andere lassen sich nur von einer „Dusche“ mit der Wassersprühflasche beeindrucken oder aber einem Biss (mit den Lippen über die Zähne gestülpt) in den Bauch. Denn: Das Ziel ist nicht, evtl. schüchterne Tiere zu Schmusern zu bekommen oder eine Hierarchie zu klären, sondern im Käfig angriffsfrei agieren zu können. Umgekehrt soll die Ratte lernen, dass man ihr nichts tut oder ihr Revier streitig machen will.

Angstbeißer beißen, wie der Name sagt, aus Angst. Das kann vielerlei Gründe haben. Handelt es sich z.B. um ein rotäugiges Tier, sieht es vielleicht schlecht. Das wäre eine Erklärung, wenn es zubeißt, sobald man es unangekündigt anfasst. Hier sollte man eine Art Erkennung mit dem Tier üben… Leises Schnalzen, Schmatzen, Pfeifen oder Klopfen auf den Boden neben dem Tier, damit es erkennt, dass Mensch „im Anmarsch“ ist. Die Tiere lernen das recht schnell…
Kommt das Tier z.B. aber aus dem Tierheim und ist die Vorgeschichte unbekannt, muss man mit viel Geduld und Verständnis heran gehen. Evtl. gibt es bestimmte Situationen in denen das Tier beißt, etc. Hier sollte man sich dann in Rattenforen zusätzlich Rat holen (aber nicht alles blindlings annehmen, was man dort liest/geraten bekommt) bzw. bei erfahrenen Rattenhaltern. Pauschale Tips kann man ohne Kenntnis der Situation nur schwer geben.

Dominanzbeißer sind Tiere, die in allen möglichen Situationen beißen, vorzugsweise mit gestelltem Fell und „grantigem“ Gesichtsausdruck. Hier benötigt man starke Nerven und Ausdauer. Nicht immer bekommt man diese Tiere in den Griff, dann empfiehlt sich u.U. eine Kastration.

Generell gilt bei Beißern jeder Art, dass der Halter dem Tier gegenüber eine gewisse Sicherheit haben/vermitteln muss. Hat er Angst, spürt das das Tier. Das kann entweder zu verstärkter Angst beim Angstbeißer führen oder zu einem Überlegenheitsgefühl bei Revier-/Dominanzbeißern. Beides hilft Halter und Ratte nicht aus dieser Situation raus.
Wer sich der Situation nicht gewachsen fühlt, sollte sich erfahrene Hilfe suchen oder, wenn es wirklich keine Aussicht auf Erfolg gibt, das Tier lieber weitervermitteln.

Eine Kastration hilft bei einem Angstbeißer kaum. Es kann den Effekt haben, dass man aus einem „Angsthasen“ einen „Angsthasen“ ohne Mut zur Verteidigung macht.
Die Kastration reduziert nicht seine Angst, nur seinen Mut sich zu schützen (in diesem Fall).

Wichtig!
Beißt ein ursprünglich zahmes, zutrauliches Tier von heute auf morgen, sollte von tierärztlicher Seite abgeklärt werden, dass keine Schmerzen/Krankheiten die Ursache sind. Ist nichts Auffälliges zu erkennen, kann man testweise Schmerzmittel verabreichen. Schlägt dieses an, sollte man weiter forschen. Schlägt es nicht an, sollte man überlegen, wo die Ursache noch liegen könnte.