Rattiges Verhalten

Dazu ein interessanter Link: Eine Naturgeschichte der Laborratte

Ratten orientieren sich in erster Linie über den Tast- und Geruchssinn, weshalb sie sehr gut taub oder blind zurechtkommen.

Unterwerfen

Unterwerfen, um die Rangordnung zu klären, was immer mal wieder nötig ist bei Veränderungen im Rudel aufgrund Alter, Krankheit, aber auch bei so einfachen Dingen wie, wer wo schlafen darf, etc.

Aufgestelltes Fell, „borsteln“ (Video) 
Aufgestelltes Fell ist ein Zeichen für Aggression bzw. Aufregung. In solchen Momenten sollte man bei Integrationen aufpassen, dass es nicht zu blutigen Bissen kommt oder auch, dass man nicht in der Aufregung einen Abwehr-Biss durch die Ratte kassiert.
Allerdings darf man Borsteln nicht verwechseln mit dem „geplüschten“ Fell, das Ratten manchmal im Krankheitsfall zeigen!

Schubbern bzw. Markieren (Video)
„Schubbern“/Markieren, mit den Pfoten „scharren“ tritt bei Böcken weit häufiger auf als bei Weibchen. Es handelt sich dabei um heftiges Markieren. Ratten haben Sekret produzierende Körperdrüsen, welche sich überwiegend am (seitlichen) Rücken bzw. den Flanken befinden. Beim „Schubbern“ bzw. sich an etwas reiben, verteilen sie das Sekret/ihren „Duft“. Solche Gesten sind im Normalfall bei eher dominanten Tieren zu beobachten.

Drohen/Schnaufen am Gitter (Video)
Hier muss man immer auch beachten, wie die Ratte sich sonst gibt. Das Verhalten ist nicht zwangsläufig bedrohlich aggressiv, manche Ratten spielen sich auch einfach nur gerne auf und sind (ohne Gitter dazwischen) sonst eher kleinlaut. Wer hier keine Erfahrung hat, sollte erst einmal vorsichtig sein, wenn er die Ratte anfassen will.

Schwanzschlagen/-peitschen (Video)
Das kann Stress/Anspannung sein, Agression oder Unsicherheit. Es ist immer abhängig von der Situation und kann nicht ohne Kenntnis der Umstände erklärt werden.
Man kann das Schwanzwedeln oft dann beobachten, wenn fremde Ratten miteinander integriert werden oder wenn es zu Auseinandersetzungen innerhalb des Rudels kommt. Wenn eine Ratte auf Streicheln mit Schwanzpeitschen reagiert, dann heisst das, dass sie sich durch das Streicheln verunsichert fühlt, vielleicht sogar Angst hat. In solchen Momenten sollte man sich den Ratten vorsichtig nähern, um im Affekt nicht gebissen zu werden.

(Kopf-)Pendeln (Video)
Den Kopf hin und her bewegen ist für blinde bzw. rotäugige Ratten eine Möglichkeit, um ihr Seh-Defizit auszugleichen. Es ist kein Anzeichen für eine Krankheit und absolut unbedenklich.

Rasieren
Rasieren
Rasieren bedeutet, dass sich die Ratte die Haare abknabbert, sodass nur noch Stoppeln übrig bleiben. Die Ursachen können vielfältig sein: einfach ein Tick, (Gelenk)Schmerzen, die Psyche oder aber ein Rudelmitglied rasiert andere. Hier sollte der Tierarzt aufgesucht werden, um im Ausschlussverfahren die Ursache zu finden.

Stubenrein werden
Bei manchen Ratten hilft es, wenn man den Kot einsammelt und in die dafür vorgesehene „Toilette“ wirft. Manche Ratten setzen es dann sehr schnell um.

Körperpflege
Putzen Putzen 2 Putzen 3

In Hand/Finger/Füße zwicken -> s. Beißen/Zwicken

Zwangsputzen:

Zwangsputzen ist eine wichtige, soziale Interaktion. Der Geputzte unterwirft sich und „lässt machen“, während der Putzende auf diesem Weg klar stellt, wer im Rang höher steht. So manche geputzte Ratte gibt dann auch klägliche Geräusche von sich, was aber schlimmer klingt als es ist.
Es ist aber nicht zu verwechseln mit dem normalen Putzen der Rudelmitglieder untereinander („grooming“)!

Aufreiten/Rangordnung

… wird auch gerne von den Haltern als „poppen“ bezeichnet, manche deuten dies auch als Homosexualität. Dies ist ein natürliches Verhalten, was bis zu einem gewissen Alter eine Spielaufforderung ist, später dann aber der Klärung der Rangordnung dient.
Es gibt durchaus Kandidaten (unter Böcken – bei Weibchen ist dies sehr selten), die so unter ihren Hormonen leiden, dass sie permanent aufreiten müssen, was sie selbst – und ihre „Opfer“ auch – unter extremen Stress setzt. In diesem Fall ist eine Kastration eine regelrechte Erlösung für alle Beteiligten.

(spielerische) Kämpfe, Abwehrverhalten, etc.
 
Kämpfe und Reibereien oder auch mal „Diskussionen“ gehören zum Rudelleben und dienen der Rudelstruktur und Harmonie. Wichtig ist, abzuschätzen, ab wann es gravierend/bedenklich ist. Die Grundregel ist: Wenn es blutig wird, eine Rudelmitglied massiv unterdrückt wird, panisch wirkt oder gar gejagt wird, sollte man eingreifen und überlegen, wie sich das Problem am besten für alle lösen lässt. Dennoch können Wunden und Kratzer im Eifer passieren, ohne beabsichtigt zu sein.

Zähne knuspern, Glubschen (Video)
Knuspert die Ratte z. B. beim Streicheln oder beim Dösen, muss man sich keine Sorgen machen. Es kann aber ebenfalls ein Anzeichen für Unwohlsein sein. Auch hier sollte man  ihren gesundheitlichen Eindruck und die Situation betrachten, um einzuschätzen, warum sie knuspert.

Ohren vibrieren, Rücken durchdrücken = „rattig sein“ (Video)
Das zeigt, dass Rattenweibchen sexuell bereit sind. Wenn man sie am Rücken/Hintern anfasst, hüpfen sie u.U. durch die Gegend.

seitliches Wegdrängen mit der Flanke/dem Hintern und/oder tänzeln/trippeln (Video)
ist Dominanz/Imponiergehabe. Ob es bedenklich ist, ist immer situationsabhängig zu beurteilen, was sicherlich aber einer gewissen Erfahrung bedarf.

Wittern/“Männchen machen“

Auf diese Weise versuchen Ratten Dinge auszumachen. Sie wittern/hören, dass dort etwas ist, können es aber nicht eindeutig ausmachen. Oft ist dies auch ein Zeichen dafür, dass Ratten sich nicht 100% sicher/wohl fühlen.

Übersprungshandlungen (z.B. hektisches „sich putzen“)
Ähnlich wie Hunde im Rahmen von Übersprungshandlungen gähnen, putzen sich Ratten.

Futter bunkern
Ratten bunkern sehr gerne Futter, gerne auch im „Klo“, wo sie durchaus auch fressen. Vorsichtig muss man sein, wenn es sich um Frischfutter handelt oder dort, wo gebunkert auch gepinkelt wird, und das Futter so schimmeln bzw. gammelig werden kann. Die einschlägigen „Futterbunker“ sollten dann täglich gecheckt werden.

(geschlossenen) Mäulchen über den Boden schieben
Gerade wenn man in der Situation ist, dass Ratten Medikamente bekommen (müssen), kommt es häufiger vor, dass diese, hat man ihnen z.B. das (flüssige) Antibiotikum ins Mäulchen gegeben, z.B. dann, bevor sie geschluckt haben, den Mäulchen über den Boden wischen. Das zeigt, dass sie das, was sie im Mäulchen haben, sehr eklig finden und wieder los werden möchten. Beim nächsten Mal sollte man dem Patienten dann das Medikament am Besten in Paste vermischt z.B. geben, um sicherzugehen, dass sie auch die benötigte Dosis zu sich nehmen.

Urinieren vs. Markieren (mit Urin)
Viele Halter beklagen sich, dass Ratten im Auslauf überall hinpinkeln. Das stimmt aber nur bedingt, denn: Sind es Urintropfen ist es markieren, sind es Urinpfützen ist es pinkeln 🙂
Ratten markieren über Urin. Das sieht man auch daran, dass u.U. Rudelkollegen mal einen Urintropfen eines anderen im Fell haben.

hopsen, „popcorn“
Wuschelt man Ratten durch das Fell (nein, das ist nicht grob, auch wenn es für manche so wirkt), finden das viele sehr toll, schütteln dann gern mal etwas „verrückt“ den Kopf, bewegen sich hopsend davon und kommen wieder, um das Spiel noch einmal zu spielen 🙂 Es kann, gerade in der Rüpelphase, durchaus auch ernst werden, was sich durch borsteln, seitliches (hochbeiniges) Laufen und/oder beißen zeigt. Um dies zu vermeiden, sollte man seine Tiere gut kennen und Körpersprache lesen können, was aber generell für den Umgang mit ihnen hilfreich ist.

 

Verhalten ihrem Menschen gegenüber:

Spucke ablecken
Ratten lecken u.U. gerne an den Lippen, Zähnen oder Ähnlichem. Das sollte man nicht fördern, da sich Ratten so leicht am Menschen anstecken und Infektionen etc. zuziehen können.

Ohren/Wimpern beschnuppern
In Ohren „kriechen“ oder an Wimpern knabbern ist ein Zeichen für Neugier, Zuneigung. Es kann u.U. etwas weh tun, ist aber so nicht gemeint. Da Wimpern sich bewegen, üben sie einen gewissen Reiz auf Ratten aus.

Zwicken/Zappeln
Erst einmal muss analysiert werden, warum die Ratten so reagieren. Gerade, wenn die Ratte früher kein Problem mit dem Anfassen hatte und sich auf einmal dagegen wehrt, muss man davon ausgehen, dass sie vielleicht Schmerzen hat und irgendeine Krankheit vorliegt. Hier sollte allerdings bedacht werden, dass auch sonst liebe Tiere mal zwicken oder beißen, wenn man sie erschreckt oder aus dem Schlaf reißt.
Kann man „eigenes Verschulden“ (sozusagen) ausschließen und sich das Verhalten nicht erklären, sollte man die Ratte auf jeden Fall einmal tierärztlich abchecken lassen.
Wenn die Ratte(n) schon immer so reagiert hat/haben und körperliche Ursachen ausgeschlossen sind, dann kann man das Anfassen und Hochheben mit ihnen trainieren. Hierzu gibt es unter Rattenhaltern unterschiedliche Meinungen. Manche sagen, dass man solche Ratten eben einfach in Ruhe lassen soll, wenn sie nicht angefasst werden wollen bzw. Angst haben, weil man Tiere zu nichts zwingen soll, was sie nicht möchten. Auf der einen Seite kann ich diese Einstellung zwar verstehen und es ist mir auch unangenehm, das Tier zu etwas zu bringen, was es nicht mag, aber auf der anderen Seite muss man sich einfach der Konsequenzen dieses „In-Ruhe-Lassens“ bewusst sein.
Man kann zum Beispiel davon ausgehen, dass jede Ratte früher oder später einmal krank wird. Dann muss sie zum Tierarzt, wo sie festgehalten und untersucht werden muss. Diese Situation ist für jede Ratte stressig, aber für Ratten, die kein Anfassen gewohnt sind, ist sie doppelt und dreifach so schlimm. Außerdem kann man Ratten, die sich nicht anfassen lassen, auch kaum selber untersuchen. Eine Früherkennung von Tumoren ist aber nur möglich, wenn man seine Tiere regelmäßig abtastet. Außerdem gibt es leider auch immer wieder Behandlungen wie zum Beispiel das Spülen von Abszessen, die der Halter ein- oder mehrmals täglich selber durchführen muss. Wenn die Ratte aber bereits vom Hochnehmen und Festhalten Angst und Stress hat, dann ist diese Prozedur umso unangenehmer für sie. Deshalb sollte es für jede Ratte normal und stressfrei sein, angefasst/hochgehoben zu werden, weshalb jede neue Ratte vom Tag des Einzugs an an die Hand gewöhnt werden sollte. Dies nimmt der Ratte den Stress und die Angst auch im alltäglichen Umgang mit dem Menschen.