Das Wichtigste in Kürze

„Bedienungsanleitung für Ratten“

  • Salz-/Mineral(leck)steine: Ratten benötigen keine Salz- oder Mineral(leck)steine. Sie erhalten alle nötigen Nährstoffe bei artgerechter Fütterung über das Futter.
  • Ratten sollten niemals am Schwanz hoch gehoben werden (Verletzungsgefahr, der Schwanz ist die Verlängerung der Wirbelsäule!). Auch der Griff ins Genick ist nicht nötig und kann zum Vertrauensbruch führen.
    Es ist am besten, wenn man sich der Ratte seitlich oder von vorn nähert und dann eine Hand unter ihren Bauch schiebt. So kann man die Ratte sicher greifen und sie sich anschließend auf den Unterarm der anderen Hand setzen. Der Arm sollte eng am Körper gehalten werden, sodass eine Absturzgefahr verhindert wird. Mit der freien Hand kann man die Ratte zusätzlich fixieren.
  • Käfig(Reinigung):
    Es ist wichtig, dass der Käfig in einem Zimmer mit Fenstern steht. Tageslicht ist für den Biorhythmus von Mensch und Tier sehr wichtig. Auch bei dämmerungs- bzw. nachtaktiven Tieren, wie unseren Ratten. Trotzdem sollte der Käfig nicht in der prallen Sonne stehen. Am besten wählen Sie einen Standort an der Wand gegenüber den Fenstern (der Käfig sollte etwas erhöht stehen). Zugluft muss unbedingt vermieden werden, da Ratten sehr zu Atemwegserkrankungen neigen. Der Käfig sollte aber auch nicht in der Sonne stehen (Hitzegefahr, aber auch Erblindungsgefahr) oder zu nah an Heizkörpern (die in Benutzung sind).
    Da Ratten sehr neugierig sind, ist es wichtig für sie, dass sie nicht in einer „Abstellkammer“ untergebracht sind, sondern möglichst in einem Zimmer, in dem sich öfters Menschen aufhalten, zu denen die Ratten Kontakt aufnehmen können (wenn sie wollen).
    Einmal pro Woche einen gründlichen Großputz zu machen reicht vollkommen aus (mit heißem Wasser, Essigwasser, Universalreiniger – keine scharfen oder stark duftenden Reiniger, Letztere animieren nur zum verstärkten Markieren). Wer öfter putzt, der riskiert ein vermehrtes Markieren der Ratten im Käfig und dass die Geruchsbildung anschließend umso schneller voran geht. Man kann allerdings die Einstreu oder das Zeitungspapier in den „Toiletten-Ecken“ des Käfigs auch unter der Woche einmal sauber machen, wenn es nötig ist.
  • Baden: Ratten müssen nicht gebadet werden. Sofern sie gesund sind, kümmern sie sich selbst um die Körperpflege. Nur bei alten Ratten kann hier nachgeholfen werden (s. auch Pflege von Senioren)
    Vom Tierarzt verordnete Behandlungsmaßnahmen sind in der Regel veraltet. Hier sollte man nach einer zeitgemäßen Methode fragen. Ein erzwungenes Bad ist für Ratten sehr stressig, u.U. kann die Beziehung Halter-Ratte darunter leiden.
    Im Sommer nehmen Ratten aber gerne freiwillig eine flache mit etwas Wasser gefüllte Schale als „Bademöglichkeit“ an, tauchen hier und da auch mal gerne nach einem Stück Mais oder Gurke. Es sollte aber warm sein und keine Zugluft herrschen, damit das Fell schnell wieder trocknet und die Tiere sich nicht erkälten.
  • Ratten sind nacht-/dämmerungsaktiv, gewöhnen sich aber relativ schnell an den Rhythmus des Halters. Hier sollte man ihnen, ohne sie permanent zu wecken, zeigen, wann es reizvoll ist, aufzustehen (einfach über Anwesenheit, Zureden, Locken, etc.).
  • Vorsorge: Im Rahmen der Gesundheitsvorsorge empfiehlt es sich, seine Tiere regelmäßig zu wiegen und abzutasten (nach Tumoren, etc.). Auch ein Blick in die Ohren oder auf die Zähne kann nichts schaden.
  • Krallen müssen bei Ratten nur geschnitten werden, wenn sie zu lang sind, krumm wachsen, etc. Gesunde agile Ratten nutzen ihre Krallen aber ausreichend ab.
  • Ratten „reden“ nicht und geben normalerweise keine Laute von sich. Klingen sie wie Tauben, quietschen sie beim Atmen oder niesen sie, etc. sollte man umgehend einen Tierarzt aufsuchen.
    Ratten kommunizieren im Ultraschallbereich miteinander. In sozialer Aktion untereinander hört der Halter nur selten Geräusche, z.B. beim Zwangsputzen, bei Kämpfen, etc.
  • Bei der Gabe von trockenem Brot ist zu bedenken, dass sich darin auch nicht sichtbare Schimmelsporen verstecken können. Es sollte gut durchgetrocknet sein und schon lange liegen.
  • Ratten sollten niemals frei/auf der Schulter außerhalb des Hauses/der Wohnung transportiert werden, sondern immer nur geschützt in einer Transportbox.
  • Ratten übertragen keine Krankheiten – eher fangen sie sich von ihrem Halter eine Erkältung ein.
  • Futtermenge: Meist wird zu einem Esslöffel pro Ratte geraten. Allerdings heißt es gleichzeitig, dass Ratten immer Futter zur Verfügung stehen sollte. Nun ist es aber so, dass gerade Böcke fressen, bis der Napf leer ist, also nicht unbedingt soviel wie sie Hunger haben, da sie (im Bauch) sozusagen für schlechte Zeiten „bunkern“. Im Endeffekt muss jeder Halter selbst für seine Ratten abschätzen, wie viel sie benötigen. Gerade bei Welpen/Jungtieren ist es auch so, dass diese noch weitaus mehr benötigen und an Energie verbrauchen wie z.B. ältere Tiere.
  • Ratten werden, wie andere Rudeltiere, in Einzelhaltung nicht zahmer!
  • Ratten werden nicht blutrünstig, wenn sie Fleisch fressen oder einmal zubeißen. Bei artgerechter Fütterung ist ein zusätzliches Füttern von Fleisch nicht nötig. Es sollte auf keinen Fall roh (Salmonellen) oder gewürzt verfüttert werden.
  • Ratten haben keinen Sinn für Verwandtschaftsgrade. Generell gilt: Wenn sie über mehrere Tage getrennt lebten, erkennen sie sich nicht wieder und müssen vergesellschaftet werden. Auch Nachwuchs kann von Geschwistern produziert werden.
  • Ratten können sich nicht übergeben. Wenn Schaum oder Ähnliches aus dem Mäulchen kommt, dann kommt dies nicht aus dem Magen.
  • Vibrieren/Flattern mit den Ohren:
    Weibchen werden alle 3-4 Tage „rattig“. In dieser Zeit sind sie paarungsbereit und als Zeichen dafür vibrieren die Ohren, die Rättinnen hüpfen bei Berührung oder biegen ihren Rücken stark durch.
  • Häufiges Kratzen: Es gibt viele Ursachen für vermehrtes Kratzen wie Milben, diverse Pilzerkrankungen oder gar Leber-Insuffizienz und Diabetes, die bewirken, dass die Haut juckt. All dies kann nur durch einen Tierarzt untersucht und diagnostiziert werden.
  • Plastik- oder Holz-Einrichtung im Käfig?
    Häufig wird man in der Zoohandlung beraten lieber Holzinventar zu kaufen, da Plastik schädlich sei, wenn es gefressen/angenagt wird. Das hat sich im Vergleich zu früher geändert. Auch splittert Plastik nicht zwangsläufig, wenn es angenagt wird. Die Erfahrung mit den Klassikern der Rattenhaltung in Sachen Einrichtung zeigt, dass es nicht splittert, und somit keine Schäden in Mäulchen oder bei Verschlucken verursacht.
    Plastik lässt sich sehr gut reinigen, man muss es nicht lackieren, damit Urin nicht einzieht, und man kann es bei Bedarf auch mal in die Spülmaschine packen.
    Holz dagegen stinkt sehr schnell, gerade wenn es unbehandelt ist. Aber auch wenn man es lackiert, geht der Urin früher oder später durch (gerade wenn es angenagt wird). Dazu kommt, dass man bei Milbenbefall die Holzsachen mindestens ausbacken sollte, um diese wieder los zu werden. Holz wie Äste z.B. ist nach längerem Gebrauch fast unmöglich wirklich sauber zu kriegen.
    Eine gute Mischung ist wohl Holz und Plastik, wobei das Holz ab und an eben ausgetauscht werden sollte.
  • Min./Max. Temperatur
    Im Allgemeinen gilt: Zimmertemperatur. Wichtig ist, dass die Tiere keinem Zug und keinen zu starken Temperaturschwankungen ausgesetzt sind (Beispiel: Käfig steht in einem Zimmer mit 20 Grad, haben aber in einem anderen Zimmer Auslauf, müssen dazu über den Flur getragen werden, der sehr kühl ist, etc.)
    Oft heißt es, unter 18 Grad bekommt Ratten nicht, die Erfahrung zeigt aber, wenn sie es gewöhnt sind, bzw. sich langsam dran gewöhnen, vertragen sie dies auch.
    Max. Temperaturen kann man so genau auch nicht benennen, aber ab 25 Grad (etwa) fangen die Temperaturen merklich an den Tieren zu schaffen zu machen, sie liegen oft platt im Käfig, sind weniger agil, etc.
    Immer gilt: Man muss seine Tiere beobachten, wie sie welche Temperaturen vertragen, hängt immer auch davon ab, wie fit/gesund die Tiere sind und welche Möglichkeiten sie im Sommer haben, um sich Abkühlung zu verschaffen.
    Die Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 40 und 70% liegen (Wichtig für die Schleimhäute/Atemwege)