Mietrecht – Rattenhaltung

Wer Ratten in der Mietwohnung halten möchte, hat mehrere Dinge zu berücksichtigen.

Grundsätzlich gilt in Deutschland Vertragsfreiheit. Das heißt konkret: das Gesetz greift nur dort, wo der Mietvertrag nicht klar geregelt ist.

In erster Linie habt Ihr also auf Euren Mietvertrag zu achten und die darin enthaltene Klausel zur Haustierhaltung zu berücksichtigen. Dies gilt allgemein bei der Haltung von Tieren aller Art.

Allerdings ist der globale Ausschluss der Haustierhaltung nicht mehr zulässig – hier gab es ein Gerichtsurteil (BGH VII ZR 10/92), das besagt, dass die Haltung von Kleintieren nicht verboten werden kann, weil diese zur sachgemäßen Nutzung einer Mietwohnung dazu gehören. Ausgeschlossen werden kann nur die Haltung von Hunden, Katzen oder anderen namentlich im Vertrag genannten Tierarten. Sollte im Vertrag ein generelles Haltungsverbot vermerkt sein, so ist diese Klausel insgesamt nichtig. Jedoch wird das Urteil relativiert, denn es spielen drei Faktoren eine große Rolle:

· Um wie viele Tiere handelt es sich?
· Sind die Tiere in der Lage, die Wohnung in großem Maße zu beschädigen?
· Können die Tiere andere Mieter (andere Parteien im Wohnhaus) durch Geruch, Lärm oder auch aufgrund von Ekelgefühl stören?

Und genau hier gibt es kein eindeutiges Gerichtsurteil. Werden übermäßig viele Tiere gehalten, so können diese vom Vermieter verboten werden. Aber ab welcher Anzahl an Tieren handelt es sich um übermäßig viele? Im Falle von Chinchillas gab es ein Gerichtsurteil, dass bis zu 7 Tiere in einer Mietwohnung vom Vermieter geduldet werden müssen. Vielleicht ist dies ein kleiner Orientierungspunkt, auch wenn es bei solchen Entscheidungen immer auf den Einzelfall ankommen wird.

Bei Käfighaltung mit Auslauf dürften Ratten nicht in der Lage sein, eine Wohnung so schwer zu beschädigen, dass sie nicht wieder instand gesetzt werden kann. Jedenfalls sind sie nicht „schädlicher“ als Kaninchen und Meerschweinchen, welche ja zu den grundsätzlich erlaubten Tieren gehören.

Nun kommt aber der kritischste Punkt für uns Rattenhalter: Noch sind Ratten keine „normalen Haustiere“. Sie gelten in den Köpfen vieler Leute noch immer als Ekeltiere und können daher durchaus bei anderen Mietern/Mietparteien im Haus Ekel hervorrufen. Im Streitfall muss ein Vermieter sich also nur auf sein Ekelgefühl berufen, um die Rattenhaltung zu untersagen.

Am Besten ist es, schon im Vorfeld klare Verhältnisse zu schaffen. Sind die Ratten im Mietvertrag aufgenommen und erlaubt, so kann es gar nicht mehr zum Streitfall kommen. Wenn man das nicht möchte (weil es evtl. sehr schwer werden kann mit Ratten im Schlepptau eine Wohnung zu finden), so muss man als Rattenhalter leider mit dem unguten Gefühl leben, dass jederzeit ein Nachbar kommen, sich beim Vermieter über die Rattenhaltung beschweren und sogar die Abschaffung aller Tiere fordern kann. Oder aber man verheimlicht auch vor den Nachbarn die Ratten, was auf Dauer aber ziemlich stressig werden kann. Kommt es zum Streitfall, so ist es ratsam, sich zuerst darauf zu berufen, dass Ratten Kleintiere sind (auch wenn genau hier der strittige Punkt liegt). Sollte es zum Härtefall (also dem Gerichtsverfahren) kommen, so liegt es beim Richter zu entscheiden, ob Ratten endlich den Status des Ekeltieres verlieren und für alle Halter künftig als ganz normale Kleintiere wie auch Meerschweinchen, Kaninchen oder Hamster gelten oder ob sie weiterhin als Ekeltiere gelten und deshalb der Genehmigung durch den Vermieter bedürfen.

Quelle MieterZeitung des DMB Ausgabe 5/2011