Eingewöhnung – Zähmung

Halbwilde/Wilde sind hier nicht gemeint!

Eingewöhnung

Wenn die Ratten eingezogen sind, sollte man beobachten, wie sie sich verhalten.

Sind die Ratten vorsichtig in den neuen Käfig umgesetzt, ist es spannend zu beobachten, wie sie ihre neue Umgebung wahrnehmen/erkunden.

Sollten sie noch schüchtern sein (auch die zuvor aufdringlichsten Ratten fremdeln u.U. in solchen Momenten), kann man langsam mit ihnen reden, ihnen die (geschlossene – in die zwickt es sich nicht so einfach) Hand zum Schnüffeln geben, getragene Kleidung in den Käfig legen (die man verschmerzen kann), damit sie sich an den Geruch ihres neuen Menschen gewöhnen.

Sind sie noch sehr scheu, sollte man eher offene Häuschen und Einrichtung in den Käfig legen/stellen, aber keine Einrichtung, in denen sich die Ratten verstecken und sich komplett vom Halter abschotten können (z.B. Röhrensysteme). Sie sollten sich zurückziehen, aber nicht dem Halter regelrecht aus dem Weg gehen können. Auch Futter aus der Hand geben kann Vertrauen aufbauen.

Auslauf sollte nur bzw. erst statt finden, wenn die Tiere sich stressfrei einfangen lassen, ruhig auch anhand von Hilfsmitteln beim Umsetzen/Einfangen (Röhren, Iglus, etc.). Auch ist ein abgetrennter Bereich sinnvoll, da bei aller Zutraulichkeit die Tiere u.U. einen Spaß dran haben Fangen zu spielen 😉

Zu Anfang kann man die Tiere immer mal innerhalb des Käfigs hoch nehmen, um dies zu üben. So haben sie die Sicherheit, jederzeit von der Hand wieder in ihren „sicheren Käfig“ springen zu können. Sind die Tiere dabei entspannt und zutraulich, kann man dies auch an der Käfigtür üben und/oder sie freiwillig auf den Arm klettern lassen.

Sind die Tiere noch nicht entspannt/zutraulich, wenn der erste Käfigputz ansteht, kann man sie mittels Röhre/Iglu in die Transportbox setzen. Auf keinen Fall sollten die Tiere während dessen im Käfig sitzen.

Wenn die Tiere zutraulich und neugierig sind, gibt es nichts zu beachten, man kann mit den Tieren ganz normal umgehen. Aber auch hier sollte man den Tieren mind. einen Tag Zeit geben, sich einzuleben, bevor man den ersten Auslauf wagt.

 

Zähmen
Hier gibt es wie so oft kein eindeutiges richtig oder falsch. Wichtig ist wie bei allen Tieren: Haben Sie Geduld!

Je nach Vorgeschichte der Ratten kann es sein, dass sie schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben und erst wieder Vertrauen aufbauen müssen. Oder dass sie einfach überhaupt keine Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, weil sich niemand um sie kümmerte. Dann sind die Ratten misstrauisch, weil sie auf einmal Aufmerksamkeit bekommen. Manche sind sogar regelrecht überfordert mit der Situation und haben die totale „Reizüberflutung“ wegen der vielen neuen Eindrücke.
Gewöhnen Sie die Ratten langsam an sich, in dem Sie mit ihnen reden. Legen sie die Hand in den Käfig und lassen sie die Ratten daran schnuppern. Erschrecken Sie nicht, wenn eine Ratte Sie anfangs auch mal zwickt (weil sie Hände nicht gewohnt ist bzw. sie nicht kennt). Am besten ballen sie die Hand zur Faust und zeigen den Ratten nur den Handrücken, dann sind die empfindlichen Fingerkuppen vor Bissen geschützt. Finger werden auch gern mal für etwas Essbares gehalten, bei dem man mal testen (zwicken) muss 😉
Geben Sie Leckerli vorzugsweise aus der Hand, damit die Ratten Ihre Hand mit etwas Positivem verbinden. Hier ist es übrigens empfehlenswert, dass sie brei- oder pastenförmige Leckerli geben, wie z.B. Vitaminpaste, Joghurt oder Quark. Diese Leckerli können die Ratten nicht wegtragen, sondern müssen sie an Ort und Stelle verzehren und dabei kommen sie um den Kontakt zu ihrem Halter nicht herum.
Liebe geht gerade bei Ratten eigentlich immer durch den Magen! Sollten die Ratten beim Abschlecken Ihrer Hand zu grob sein, vielleicht sogar zwicken, dann sagen Sie deutlich und bestimmt (nicht laut!) „Nein!“ und ziehen Sie die Hand aus dem Käfig. Werden Sie dabei aber niemals hektisch, machen sie keine ruckartigen Bewegungen, die die Ratten erschrecken könnten. Die Ratten bekommen dann kein Leckerli. Sollten die Ratten sich aber „brav“ benehmen, dann dürfen sie den Brei, Joghurt oder die Paste natürlich restlos von Ihrem Handrücken abschlecken. Wenn sie immer beim Verteilen der Leckerchen ein bestimmtes Geräusch von sich geben (zum Beispiel Zungenschnalzen), dann werden die Ratten dieses Geräusch mit etwas Positivem verbinden. Diese Eigenschaft kann man sich zunutze machen, wenn man später z.B. Tiere vom Auslauf wieder in den Käfig verfrachten möchte. Macht man dieses Geräusch, kommen alle Ratten angerannt. Ein kompliziertes Einfangen ist dann meistens nicht mehr nötig.

Natürlich gibt es immer auch Ratten, die mit diesen Methoden nicht zu zähmen sind. So oder ähnlich kann man beim Zähmen vorgehen.

Man kann seinem regulären Alltag nachgehen, die Tiere müssen nicht „geschont“ werden oder komplett in Ruhe gelassen werden, wie es oft beschrieben wird.

Auslauf ist erst dann zu empfehlen, wenn die Tiere zutraulich sind und ein Einfangen nicht zur Jagd wird.

 

Hochnehmen/Festhalten
Wenn die Ratten generell scheu sind, dann beginnt man am besten mit der Zähmung, wie weiter oben beschrieben: Viel mit ihnen reden, die Hand (Faust) in den Käfig legen, Leckerli aus der Hand bzw. von der Hand in Brei- oder Pastenform. Besonders schnell geht der Gewöhnungsprozess, wenn der Rattenkäfig in einem Zimmer steht, in dem Sie selbst sich oft aufhalten (Wohnzimmer oder Kinder-/Jugendzimmer zum Beispiel) und die Ratten ständig mit Ihnen konfrontiert sind. So gewöhnen sie sich schnell an die Alltagsgeräusche wie z.B. den Fernseher, Musik (in Zimmerlautstärke!), ihre Stimme bei Unterhaltungen oder Telefongesprächen usw.

Der nächste Schritt ist, dass Sie den Pulloverärmel hochkrempeln und die Leckerli-Paste weiter oben auf der Innenseite Ihres Armes verschmieren. Halten Sie dann wieder den Arm in den Käfig. Nun müssen die Ratten auf Ihrer Hand stehen, damit sie an das Leckerli auf Ihrem Arm herankommen. Fangen Sie nicht sofort an, die Ratten hoch zu heben. Sie würden damit das gewonnene Vertrauen sofort wieder zerstören. Üben Sie mit Ihren Ratten das freiwillige auf die Hand kommen und Leckerli abholen erst ein paar Tage, bevor Sie zum ersten Mal das Hochnehmen simulieren. Ich schreibe deshalb „simulieren“, weil ich meistens am Anfang die Hand nur ein paar Zentimeter über den Käfigboden hebe und die Ratten dann wieder absetze. So merken sie sich, dass ihnen nichts passiert beim Hochheben (außerdem dürfen sie ja währenddessen weiter an der Paste auf dem Unterarm schlecken). Später nehme ich die freie Hand noch dazu und fange an, die Ratten damit über den Rücken zu streicheln, an den Bäckchen und Ohren zu kraulen usw. Im nächsten Schritt decke ich die auf der einen Hand stehende Ratte mit der freien Hand ab – allerdings noch nicht fest, wie beim richtigen Hochnehmen. Wenn auch dieses Ritual in Fleisch und Blut übergegangen ist, dann verlängere ich die Zeit in der ich die Ratten mit der Hand abdecke und beginne, die Ratten aus dem Käfig heraus zu heben, kurz auf meinem Arm sitzen zu lassen (mit der anderen Hand abgedeckt) und sie dann wieder in den Käfig zu setzen. Auf diese Weise lernen auch ängstliche Ratten, dass Hochheben nichts Schlechtes ist. Sie werden behutsam und durch positive Reize (Futter) ans Anfassen und Hochnehmen gewöhnt.

Natürlich gibt es Ratten, die es einfach nicht mögen, angefasst zu werden. So wie es auch nicht jeder Hund mag, gestreichelt zu werden. Wenn man diese Signale bei seiner Ratte sieht – also merkt, dass sie die Prozedur nur über sich ergehen lässt, es aber bevorzugt, wenn sie nicht angefasst wird – dann sollte man dies natürlich respektieren, soweit es geht. Das Festhalten und Herumtragen solcher Ratten sollte in Grenzen gehalten werden, im Prinzip reduziert auf die Gesundheits-Checks und das in den Auslauf setzen und aus dem Auslauf in den Käfig setzen, sowie Tierarztbesuche und ähnliches. Aber trotzdem ist es gut, wenn auch solche Ratten merken, dass sie diese Prozedur nicht gänzlich umgehen können (schon gar nicht mit Zappeln und Beißen).

 

Generelle Anmerkung:
Wir erleben oft, dass es Halter gibt, die warten, dass die Ratten auf sie zukommen und den Kontakt suchen (leider auch ein gern gegebener Ratschlag in Foren). Sie setzen sich vor den Käfig, halten die Hand in den Käfig und warten … und warten … und warten… Oder aber sie wagen es nicht, die Ratte aus dem Käfig zu greifen, um sie in den Auslauf zu setzen und versuchen es mittels Häuschen und einer Runde Fangenspielen.
Je nach Haltertyp (sehr unsicher z.B.) und Ratte (vielleicht ebenfalls unsicher), kann es dann sein, dass der Halter die Ratte nach einem Jahr noch nicht richtig in der Hand hatte. Nicht nur im Hinblick auf ein regelmäßiges Abtasten ist das unseres Erachtens eine traurige Bilanz für beide Seiten.
Man sollte zweifelsohne darauf achten, wie die Ratte tickt, aber auch bei Ratten gilt: Mitleid und/oder Überfürsorglichkeit können Ängste (oder auch einfach Zickigkeit) verstärken/untermauern.
Man sollte auch eine zickige/unsichere Ratte mal beherzt liebevoll greifen. Wenn man ihr nicht zeigt, dass sie keinen Grund hat zur Angst, wird sie diese nie überwinden. Im Falle von Zickigkeit schadet es nichts, wenn man doch auch mal Grenzen setzt. Auf keinen Fall sollte man Ratten stark bedrängen!