Allgemeines zu Farbratten

Ratten und deren Halter müssen leider noch immer mit vielen Vorurteilen kämpfen:
Rattenhalter werden gerne in die Schublade des Punks gesteckt, der mit der Ratte auf der Schulter durch die Stadt läuft. Die Realität sieht aber anders aus. Es „outen“ sich angehende Anwälte, Verkäuferinnen, Schüler, Selbstständige, eben die unterschiedlichsten Menschen als Rattenfans. Die Gruppe der Rattenhalter ist bunt gemischt, und nicht auf eine bestimmte Gruppierung oder „Sorte Mensch“ fest zu legen.

Dass Ratten die Pest/Krankheiten übertragen, ist falsch, da nicht die Ratten selbst, sondern der Floh damals die Pest übertrug. Unsere domestizierten Ratten (sogenannte Farbratten) haben auch nichts mit den Wildratten gemein. Ein Tier wie die Farbratte, welches sich nur im Käfig/ in der Wohnung/dem Haus des Halters bewegt, kann sich keine ansteckenden Krankheiten einfangen. Dieses Risiko bringt die Haltung von Hunden oder Freigänger-Katzen, die draußen spazieren gehen, eher mit sich, als die Haltung von Ratten. Es ist eher so, dass der Mensch u.U. Erkältungen etc. auf die Ratte übertragen kann.

Ein hartnäckiges Vorurteil ist ebenfalls, dass Ratten stinken, sogar als unsauber gelten. Neben Katzen gehören Ratten zu den sich am Häufigsten putzenden Tieren und sind immer so sauber, wie der Käfig, in dem sie gehalten werden. Achten Ratten nicht auf ihre Sauberkeit, ist dies in der Regel ein Zeichen dafür, dass sie sich nicht wohlfühlen oder krank sind.

Es wird auch gerne behauptet, dass unsere Farbratten im Rahmen der Forschung auf Krebs gezüchtet wurden. Dem ist nicht so.

Allerdings erkranken Rattenweibchen u.U. an sogenannten Mama-Tumoren, Rattenböcke dagegen bekommen eher Tumore an den inneren Organen. Generell sind Farbratten leider sehr empfänglich für Atemwegserkrankungen. Diese sind in der Regel gut behandelbar, man sollte sich allerdings früh genug einen rattenerfahrenen Tierarzt suchen.

Da Ratten in der Medizin primär Versuchstiere sind, ist die Veterinärmedizin auf diesem Gebiet noch lange nicht so erforscht wie bei Hunden und Katzen z. B. Weshalb es sehr schwer werden kann, einen rattenerfahrenen Tierarzt zu finden.

Farbratten gibt es in den unterschiedlichsten Farben und Zeichnungen, sie sind schon lange nicht mehr alle nur weiß oder wildfarben (also agouti).

Im Wesen unterscheiden sich Farbratten von Halbwilden/Wilden vor allem dadurch, dass sie nicht so neophob sind, also nicht soviel Angst vor allem Neuen/Unbekannten haben.

Dass Ratten Rudeltiere sind, ist leider immer noch eine zu wenig verbreitete Tatsache. Hier sollte sich der Mensch immer fragen, ob er denn alleine mit einem Gorilla wirklich glücklich wäre. Genauso geht es Einzelratten … Sie arrangieren sich und machen das Beste draus. Glück und artgerechte Haltung ist aber etwas Anderes. Der Mensch kann die Rattensprache nicht und kann genauso wenig einen Artgenossen beim Sozialverhalten ersetzen.
Ratten sollten also mindestens zu zweit gehalten werden, wobei zwei ein Paar bilden, aber kein Rudel. Die optimale Mindestgröße für ein Rudel sind drei Tiere.

Auch was das zu erwartende Alter angeht, unterscheiden sich Farb-, Wild-Ratten und Halbwilde nicht großartig. Die Erfahrung zeigt, dass Wildratten oder Halbwilde nicht gesünder sind oder länger leben in Gefangenschaft. In freier Wildbahn leben Wildratten sogar noch kürzer, sie sind nicht dazu geschaffen lange zu leben. Dies gleicht sich aber aus durch den Nachwuchs, der auf die Welt kommt, wodurch das Rudel nicht so schnell ausstirbt.

Ratten können generell Schmerzen und Krankheiten sehr gut verbergen, weshalb man ein sehr gutes Auge haben muss. Die Aussage „sie frisst und läuft noch rum“, sagt leider so gar nichts darüber aus, wie das Tier sich wirklich fühlt. Wenn man Ratten Schmerzen ansieht/-merkt, ist das Ausmaß der Erkrankung oft schon sehr groß.

Ratten unterhalten sich im Ultraschallbereich. Sollte man Geräusche bei den Ratten wahrnehmen, gilt es, dies gut zu beobachten und im Falle eines Falles lieber einmal zu viel zum Tierarzt zu gehen.

Ratten „hört“ man allenfalls beim Zwangsputzen, wenn sie mit den Zähnen knuspern (was ein Anzeichen für Unwohlsein aber auch Anspannung etc. sein kann), sich prügeln, etc. Je nachdem muss man die gehörten Laute immer im Zusammenhang mit der Situation betrachten.

Hier kann man aber immer in den Rattenforen um Rat fragen, wenn man unsicher ist.

Im Vergleich zu manchen anderen Tierarten haben Ratten keinen Welpenschutz, man kann also nicht einfach Jungtiere zu älteren Tieren setzen!!
Auch ältere Tiere muss man miteinander vergesellschaften, da Ratten ihr Revier gegen Eindringlinge verteidigen. Mehr dazu unter Integration.