Der Käfig

Wie sieht ein artgerechter Käfig aus?

So banal diese Frage auch klingt, die Antwort ist leider gar nicht so einfach. Denn Ratte ist nicht gleich Ratte und deshalb ist der Käfig, in dem sich das eine Tier wohl fühlt, leider nicht automatisch auch der Käfig, in dem sich jedes andere Tier des Rudels wohl fühlt.

Wichtig ist vor allem, dass Sie bereits bei der Anschaffung Ihres allerersten Rattenkäfigs berücksichtigen, dass alle Tiere früher oder später alt und evtl. gebrechlich werden. Da Ratten ein Durchschnittsalter von gerade einmal zwei Jahren haben, tritt dieser Fall meist sehr viel früher ein, als uns Haltern lieb ist. Für die Alterchen im Rudel muss der Käfig dann Absturz sicher bzw. altersgerecht gestaltet werden. Die Rampen oder Treppen von einer Ebene zur nächsten müssen so flach sein, dass auch eine Ratte mit Hinterhandlähmung noch problemlos im Käfig zurechtkommt. Um dies zu ermöglichen, braucht der Käfig aber auch eine gewisse Grundfläche, denn gerade flache Rampen nehmen extrem viel Platz in Anspruch. Wenn Sie dies bereits bei der Anschaffung des ersten Käfigs berücksichtigen, ersparen Sie sich später den Kauf eines weiteren größeren Käfigs und dadurch anfallende Kosten.

Unserer Ansicht nach darf der Käfig für ein Rudel mit 2 – 3 Ratten die Maße von 80 x 50 x 80 Zentimeter (Länge x Tiefe x Höhe) nicht unterschreiten. Andernfalls ist es nicht möglich, den Käfig abwechslungsreich und gleichzeitig zweckmäßig einzurichten. Es gibt einige Käfigmodelle mit diesen Maßen im Fachhandel und in Internet-Shops zu kaufen. Zum Beispiel sind hier die beliebten Käfige „Jenny“ von Ferplast oder „Tom“ von Marchioro zu nennen, die beide neu für 110 – 150 € zu haben sind und bereits ein Minimum an Zubehör enthalten. Bitte machen Sie sich darauf gefasst, dass Sie nochmals mindestens 50 – 75 € für größere Etagen, Häuschen, Hängematten, Kuschelhäuschen, Röhren, Näpfe, Tränken und sonstiges Zubehör ausgeben müssen.

Auch wenn diese Maße erstmal sehr groß erscheinen und Ihnen dieser Käfig beim ersten Anblick riesig vorkommt, so werden Sie schon bald merken, dass er keineswegs überdimensioniert ist. Sobald die ersten Etagen eingebaut, die Häuschen platziert, die Näpfe und Tränken hineingestellt, die Kuschelhäuschen aufgehängt und ein Toiletteneck aufgestellt sind, werden Sie bereits sehen, wie schnell der Platz schrumpft.

Außerdem sollten Sie beim Käfigkauf nicht vergessen, dass Ratten(böcke) nahezu Meerschweinchen-Größe erreichen, wenn sie einmal ausgewachsen sind. Zubehör für Hamster und Mäuse ist daher für Ratten nicht geeignet. Sollten Sie sehr junge Ratten haben, so sollte der Gitterabstand des Käfigs nicht über 1 cm liegen, da die Jungtiere sonst hindurchpassen könnten. Auch für ausgewachsene Weibchen, die bedeutend kleiner sind als Männchen, darf der Gitterabstand nicht mehr als 1,5 cm erreichen. Bei Böckchen ist ein Gitterabstand von bis zu 2 cm in Ordnung. Es ist für die Ratten übrigens sehr viel schöner, wenn die Käfige Gitter aus Querstäben besitzen, da sich daran sehr viel besser klettern lässt.

Sollten Sie sich für den Kauf einer Voliere entscheiden, müssen Sie unbedingt darauf achten, dass die Gitterböden über den Streuschubladen entfernt werden können (notfalls mit dem Seitenschneider abknipsen und die Kanten abfeilen). Ratten dürfen nämlich auf keinen Fall auf Gitterböden/-etagen gehalten werden, da dies schwere und vor allem schmerzhafte Schäden an den Gliedmaßen hervorrufen kann (z.B. Bumble feet).

Für die Etagen sollten Sie entweder beschichtetes Holz zusägen und mit Unterlegscheiben oder Schraubhaken am Gitter befestigen oder fertige Etagen aus Plastik im Zooladen oder im Internetshop kaufen. Unbeschichtetes Holz ist für diesen Zweck nicht zu empfehlen, da in dieses sehr schnell Urin einziehen kann, wodurch massive Geruchsbildung entsteht.

Volieren, die zwar hoch sind, aber nur eine kleine Grundfläche haben, sind nur sehr bedingt für die Rattenhaltung zu empfehlen. Da die Türen gut zugänglich bleiben müssen, um den wöchentlichen Käfigputz zu erleichtern und die Ratten im Käfig gut greifen zu können, bekommt man bei diesen Volierenmodellen oft große Probleme mit der Anbringung von Etagen und Rampen. Außerdem steht zu wenig Lauffläche zur Verfügung und das Stellen von Häuschen und sonstigen Unterschlupfmöglichkeiten, Spielsachen und Näpfen erfordert einiges an Geschick. Für ältere Tiere sind diese Volieren dann häufig nicht mehr geeignet, da Rampen und Leitern nicht mehr flach genug angebracht werden können.

Sollten Sie Ihr Rudel einmal vergrößern wollen, so muss natürlich auch der Käfig „mitwachsen“. Wobei hier gesagt werden muss, dass die doppelte Anzahl von Ratten nicht auch doppeltes Käfigvolumen bedeutet. Hier kann man übrigens auch Parallelen zu einer Wohnung für uns Menschen ziehen: Während man zu zweit eine 60m²-Wohnung benötigt, heißt es noch lange nicht, dass man zu viert gleich ein 120m²-Appartment haben muss, um komfortabel wohnen zu können. Gerade bei Rattenböckchen ist ein zu großer Käfig oft ein Streitfaktor, da die Ratten anfangen, sich aus dem Weg zu gehen und innerhalb des Käfigs „Territorien“ abzustecken. Diese Problematik kommt meist allerdings erst bei größeren Rudeln zum Tragen und dürfte bei der Anschaffung des ersten Käfigs noch keine Rolle spielen. Um die richtige Käfiggröße für Ihre Ratten zu finden, können Sie sich an der Tabelle mit Käfigempfehlungen orientieren. Wir haben uns bemüht, Vor- und Nachteile der einzelnen Käfige aufzuzeigen und Ihnen vor allem bezüglich der Käfiggröße und der Rattenanzahl pro Käfig eine Hilfe zu bieten. Die Tabelle spiegelt auch lediglich unsere Erfahrungen und Ansichten als erfahrene langjährige Rattenhalter wieder. Natürlich erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit und haben nur die gängigsten Käfigmodelle aufgelistet.

Nachtrag:

Die Wand hinter Kaufkäfigen sollte mit sogenannter Elefantenhaut, PVC-Folie, etc. geschützt werden. Oder aber man hängt Bodenschutzmatten hinten an die Käfige. Diese haben den Vorteil, dass man sie einfach abnehmen und in der Badewanne/Dusche abbrausen kann. Über die Jahre kann so eine Wand hinter dem Käfig sehr in Mitleidenschaft gezogen werden, die Investition für eine solche Maßnahme lohnt sich 🙂